Beimpfen von Baumstämmen mit Dübelbrut (Stäbchenbrut)
(Schwierigkeitsstufe 1 – AnfängerIn)



Die Anlage von Pilzkulturen auf Baumstämmen ist ganzjährig möglich, wenn der Stamm zum Durchwachsen frostfrei gelagert wird. Je nach Gattung fruchtet der Pilz mehrere Jahre hindurch, so lange, bis alle Nährstoffe aus dem Baumstamm verbraucht sind.


Empfohlenes Zubehör:

Baumstamm
Holzsäge
Wanne zum Einweichen
Bohrmaschine + 9er-Bohrer (9 mm)
Dübelbrut (mit Pilzmyzel besiedelte Holzdübel)
Jutesäcke
Siegelwachs
Hammer


Vorbereitung

Die Holzqualität ist ausschlaggebend für einen guten Ertrag. Das Holz nach dem Fällen ca. 2 bis 3 Wochen trocken lagern und dann wie folgt vorbereiten:

Die Stämme 3 Tage in Wasser völlig untertauchen, dann auf einer Plane oder ähnlichem im Freien einen Tag trocknen lassen. Am besten eignen sich Baumstämme mit Rinde, die einen Durchmesser von rund 20-35 cm haben und 90 - 120 cm lang sind.

Die Dübelbrut soll nach Anlieferung 2 bis 3 Tage bei Zimmertemperatur (max. 29°C) gelagert werden, damit sich das Myzel von seiner Reise erholen kann. Wollen Sie die Dübelbrut nicht sofort verarbeiten, lagern Sie diese nach der „Erholungsphase“ im Kühlschrank bei 2-4°C und verwerten Sie sie innerhalb weniger Wochen.


Beimpfen der Baumstämme

Direkt vor dem Beimpfen werden vom Baumstamm an den Anschnitten ca. 2 cm abgeschnitten und verworfen. Dadurch werden Schadpilze und andere Kontaminationen, welche sich seit dem Fällen angesiedelt haben, entfernt. Um den gesamten Stamm herum werden mit einem 9er-Bohrer in gleichmäßigen Abständen rund 50 Löcher von 3-4 cm Tiefe gebohrt. Bitte langsam arbeiten, da ein Überhitzen des Bohrkopfes sich negativ auf die Holzqualität auswirken kann! In die Vertiefungen werden nun vorsichtig – ohne das Pilzmyzel zu verletzen – die Dübel eingeführt. Für ein besseres Ergebnis empfehlen wir auch die Anschnitte mit Dübeln zu beimpfen.


Für einen Baumstamm empfehlen wir die Verwendung von 50 Stück Dübelbrut, für Baumstümpfe 30 bis 50 Stück. Wenn der ganze Baumstamm oder -stumpf mit Dübelbrut beimpft ist, werden die Dübellöcher mit Wachs verschlossen. Am besten funktioniert dies mit flüssigem Wachs, das mit einem Pinsel aufgetragen wird. Die Anschnittflächen werden zum Versiegeln in flüssiges Wachs getaucht.


Myzelwachstum

Zum Durchwachsen wickelt man die Stämme in feuchte Jutesäcke und legt diese für mindestens 10 Wochen an einen schattigen Platz in den Garten oder in einen gut gelüfteten Keller. Die Jutesäcke sind dabei immer feucht zu halten. Die Durchwachsphase ist abgeschlossen, wenn neben den Dübellöchern weißes Myzel sichtbar wird. (Temperatur: 'Spawn run' – je nach Pilzgattung)


Aufstellen im Garten und weitere Pflege

Nun werden die Stämme an einem schattigen Platz im Garten ca. 15 cm tief aufrecht stehend eingegraben, für Balkon- und Terrassenkulturen in mit Sand oder Kieselsteinen gefüllte Blumentröge gestellt. Das Holz und die Erde um die Stämme herum sind regelmäßig zu befeuchten. Die Fruchtkörper erscheinen zu der Jahreszeit, in der die natürlichen Fruchtungsbedingungen, je nach Pilzgattung, gegeben sind.


Schneckenabwehr

Schnecken lieben Pilze! Damit diese gefräßigen Zeitgenossen nicht die ganze Ernte vernichten, wird ein Schneckenzaun rund um die Kultur empfohlen. Schneckenkorn und andere chemische Schädlingsbekämpfungsmittel sollten auf keinem Fall verwendet werden, da die darin enthaltenen Gifte auch in die Fruchtkörper der Pilze gelangen können!


Überwinterung

Um die Kultur gut über den Winter zu bringen, sollte diese vor dem ersten Frost in Jutesäcke gewickelt werden. Im nächsten Frühjahr braucht man nur die Säcke zu entfernen und den Baumstamm gut zu befeuchten.
 

 

Besonderheiten bei Lentinula edodes (Shiitake)

Am besten eignen sich Baumstämme mit Rinde, die einen Durchmesser von rund 15-20 cm haben und 70-120 cm lang sind. Der Shiitake braucht keinen Erdkontakt und kann daher auch an schattigen Zäunen angelehnt und fixiert werden.



Um die Fruchtung einzuleiten, sollte der komplett durchwachsene Stamm für rund 24 Stunden vollständig in kaltes Wasser gelegt werden. Die besten Ergebnisse erreicht man, wenn das Wasser einen pH-Wert von 5 aufweist. Zum Angleichen des pH-Werts wird eine 0,1%-ige Salzsäurelösung (HCl) empfohlen. Danach
wird der Stamm mit der Schnittfläche nach unten 3 mal kräftig auf eine Steinplatte geschlagen. Damit wird das Myzel innerhalb des Stammes aufgelockert und das Ernteergebnis gesteigert.

Etwa 10-14 Tage später sollten erste kleine Pinheads (Köpfchen) erkennbar sein. Nach der Ernte soll der Stamm für ca. 6 Wochen ruhen, dann kann man diesen erneut in Wasser eintauchen, auf den Boden aufschlagen und fruchten lassen!
 

 

 

Literaturnachweis:

„Mycelium running/ How mushrooms can help save the world“, Paul Stamets; Ten Speed Press, Berkeley/Toronto;
„The Mushroom Cultivator: A Practical Guide to Growing Mushrooms at Home", Paul Stamets, Agarikon Press; First Edition (December 1983);
„Growing Gourmet and Medicinal Mushrooms”, Paul Stamets, Ten Speed Press, Berkeley/Toronto;

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