Pilzzucht auf Strohballen
(Schwierigkeitsstufe 1 – Anfänger)
Für einige Pilzgattungen eignet sich auch Stroh als Fruchtungssubstrat.
Es kann Weizen-, Roggen- oder Gerstenstroh verwendet werden. Besonders
bewährt hat sich die Pilzzucht auf Strohballen im Garten.
Verwenden Sie nur trockene und qualitativ hochwertige (nicht schon von
Schimmelpilze etc. besiedelte) Strohballen, denn sie sind
ausschlaggebend für ein gutes Ergebnis. Gesundes Stroh erkennt man an
der goldgelben Farbe und den festen Halmen, die sich nur schwer
zerreißen lassen. Der Strohballen soll frisch riechen. Wenn er bereits
etwas muffig riecht, ist er meist schon von Schimmel- oder anderen
Schadpilzen befallen und kann nicht mehr verwendet werden.
Empfohlenes Zubehör:
- Strohballen
- Wanne zum Wässern d. Ballen
- Körner- oder Holzbrut, vollständig besiedelt mit Pilzmyzel
- Jutegewebe (200 x 100 cm)
- Schnur (rund 2 m)
- Wasser
Vorbereitung
Vor dem Beimpfen wird der Strohballen über Nacht (rund 12 – 16 Stunden)
gewässert. Wichtig ist, dass der gesamte Ballen mit Wasser bedeckt ist.
Direkt bevor der Ballen beimpft wird, soll er aus dem Wasserbad
entnommen und für rund 30 Minuten zum Abtropfen aufgelegt werden, damit
überschüssiges Wasser ablaufen kann.
Beimpfen
Bitte waschen Sie gründlich Hände und Arme, bevor Sie mit der Brut
hantieren. Für 1 Strohballen (27cm x 20cm x 40cm) empfehlen wir 1 L
Brut. Damit der Strohballen gleichmäßig vom Pilz besiedelt wird,
empfehlen wir 6 Löcher (an jeder Seite des Ballens 1 Loch) mit einer
Tiefe von rund 5 bis 10 cm zu machen. Zum Vorbohren dieser Löcher kann
ein sauberer Hammer- oder Besenstiel oder ähnliches verwendet werden.
Teilen Sie die Brut gleichmäßig auf die 6 Löcher auf. Beginnen Sie mit
dem oberen Loch. Damit die Brut gut mit dem Strohballen verwächst,
müssen die Löcher mit Stroh von der Außenseite des Ballens gut
verschlossen werden. Nun wickeln Sie den beimpften Strohballen in das
Jutegewebe ein und befestigen dieses mit einer stabilen Schnur.
Myzelwachstum
Die Strohballen sollen im Garten an einem schattigen Platz zum
Durchwachsen gelagert werden. Je nach Pilzsorte, Temperatur und
Feuchtigkeit wird der Strohballen innerhalb von 2 bis 4 Wochen
vollständig mit Pilzmyzel besiedelt.
Kontrollieren Sie regelmäßig die Feuchtigkeit des Strohs. Nur wenn die
äußere Strohschicht mehr als 3 cm tief ausgetrocknet ist, werden die
Ballen befeuchtet. Bei zu viel Wasser stirbt die Brut ab. Je nach
Witterung genügen 1 bis 3 mal wöchentlich 2-3 Liter Wasser je Ballen.
Mit der Hand können Sie gut feststellen, ob das Stroh trocken ist.
Kontrollieren Sie die Ballen häufig auf ihren Feuchtigkeitsgehalt und
korrigieren Sie mit kleinen Wassergaben, damit der wachsende Pilz nicht
ertrinkt.
Fruchtung
Sobald der Strohballen gleichmäßig von weißem Pilzmyzel durchwachsen
ist, wird die Fruchtung durch vermehrte Frischluftzufuhr eingeleitet.
Entfernen Sie dazu von einer Breitseite des Strohballens das Jutegewebe.
Bei geeigneten Witterungsbedingungen erscheinen nach weiteren 2 bis 4
Wochen die ersten Pilze.
Der Pilz fruchtet in mehreren Erntewellen, solange bis alle Nährstoffe
im Strohballen verbraucht sind. Danach kann der abgefruchtete Ballen
als Rohstoff für die Kompostierung verwendet werden. Ernten Sie bei
jeder Welle alle Fruchtkörper, auch die kleineren, ab. Bitte auch
während und zwischen den Fruchtungsphasen den Strohballen regelmäßig auf
Feuchtigkeit prüfen und gegebenenfalls nachwässern.
Schneckenabwehr
Schnecken lieben Pilze! Damit diese gefräßigen Zeitgenossen nicht die
ganze Ernte vernichten, wird ein Schneckenzaun rund um die Kultur
empfohlen. Schneckenkorn und andere chemische
Schädlingsbekämpfungsmittel sollten auf keinem Fall verwendet werden, da
die darin enthaltenen Gifte auch in die Fruchtkörper der Pilze gelangen
können!
Literaturnachweis:
„Mycelium running/ How mushrooms can help save the world“, Paul Stamets; Ten Speed Press, Berkeley/Toronto;
„The Mushroom Cultivator: A Practical Guide to Growing Mushrooms at Home", Paul Stamets, Agarikon Press; First Edition (December 1983);
„Growing Gourmet and Medicinal Mushrooms”, Paul Stamets, Ten Speed Press, Berkeley/Toronto;